Preisträger 2015

Die Preisträger aus allen fünf Kategorien

I: Bestes Mitteldeutsches Medienkompetenzprojekt für/mit Kinder/n bis 12 Jahre

„Gesund durch den Tag“
Diakonisch-integrative Kindertagesstätte „Senfkorn“ in Gera

Wie ernährt man sich gesund? Und wie kann man gesunde Ernährung in den Alltag integrieren? Wo gehe ich am besten einkaufen und woher kommen eigentlich unsere Kartoffeln? 18 Vorschulkinder aus Gera haben sich daran gemacht, dieses Thema in allen Medien umzusetzen. Es sollte also nicht nur das Interesse für "Gesunde Ernährung" geweckt werden, sondern vor allem gezeigt werden, wie das Thema in verschiedenen Medien umgesetzt werden kann. Und Medien "selbst machen" war für die Kinder besonders wichtig: Es entstanden Bücher, Dias und Filme. Das umfangreiche Projekt und die Ergebnisse entstanden unter Mithilfe von deren Erzieherinnen.

 

Laudatio zum Projekt:

Das herausragende und nachahmenswerte Projekt der Senfkorn-Kitakinder zeichnet sich insbesondere durch die zielgerichtete Verwendung verschiedener kreativer medienpädagogischer Methoden aus – wie beispielsweise einem Koch-und Backbuch, Bildergeschichten, Dia-Serien, Filmen und „Werbeplakaten“.

In den abwechslungsreichen Projektschritten wurden die Kinder zu jeder Zeit mit ihren Erfahrungen, ihren Gedanken und Ideen ernst genommen. Ihre Welt des Erlebens und Verstehens war Ausgangs- und Mittelpunkt des methodischen Geschehens im Medienprojekt. So wurde den Kindern eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer Lebens- und Erfahrungswelt, aber auch mit dem Thema „Essen und Trinken“ ermöglicht. Sie experimentierten mit ihren Stimmen, Geräuschen und Bildern und fanden für ihre Geschichte eine gelungene mediale Ausdrucksform.

Bei jedem Schritt wurden alle Kinder von den Vorbereitungsarbeiten bis zum fertigen Ergebnis einbezogen und lernten so die Machart einer Bild und Hörgeschichte auf spielerische und kreative Art und Weise kennen.

„Kriegskinder“
SRB-Jugendredaktion aus Saalfeld

60 Schüler, 35 Senioren und insgesamt 20 Betreuer aus Saalfeld und Umgebung haben ihre Geschichte aufgearbeitet – unterschiedlicher Erinnerungen an eine gemeinsame Vergangenheit. Ein "intergenerativer" Dialog wurde in Gang gesetzt, um Geschichte greifbar zu machen. Die Schüler sollten sich mit einem Thema auseinandersetzen, dass sie nur aus dem Geschichtsunterricht kennen – und die Senioren standen ihnen als Zeitzeugen zur Verfügung. Ziel war es, mit verschiedenen Medien diese Erfahrungen für die Nachwelt zu bewahren. Zwei Jahre wurde in verschiedenen Workshops und Fortbildungen gearbeitet. Es entstanden Interviews, Zeichentrickfilme, ein Theaterstück und eine eigene Radiosendung.

 

Laudatio zum Projekt:

Aus der intensiven, langfristigen und zielgerichteten Medienarbeit ist eine brillante und einzigartige Verknüpfung zwischen bildender Kunst und dem Medium Film hervorgegangen. Die umfangreiche Auseinandersetzung mit der Thematik, die kreative und künstlerische Gestaltung sowie die Darstellung in Form einer Theateraufführung und die Zeichentrick-Filme mit dem Titel „Kriegserlebnisse“ sind anspruchsvoll und stimmig.

Das Projekt bot großen kreativen Freiraum für die Schülerinnen und Schüler, die somit ihr eigenes emotionales Erleben sehr gut einbringen konnten. Die entstandenen ästhetisch ansprechenden und berührenden Zeichnungen transportieren in einer außergewöhnlichen grafischen Form Gefühle wie Beklemmung, Angst und Trauer. Den Jugendlichen ist es gelungen, den Inhalt medial so aufzubereiten, dass es den Zuschauer vollkommen ergreift. Mit ihren Kurzfilmen haben es die Jugendlichen hervorragend verstanden, ein schwieriges Thema bewegend und in seiner ganzen Tragweite darzustellen.

Das Projekt entstand in Kooperation zwischen dem SRB – Bürgerradio, dem Heinrich-Böll Gymnasium, der Sabelschule, der Stadtverwaltung, der mobilen Jugendarbeit, dem Stadtmuseum, dem AWO –Seniorenbüro und dem Anne Frank Zentrum Berlin.

„Jugendtagung Computerspiele – Von Jugendlichen für Jugendliche“
Offenen Kanal Merseburg-Querfurt

 Computerspiele machen dumm, dick und träge. Diese Haltung ist in der Gesellschaft noch immer anzutreffen. Computerspiele tragen jedoch zahlreiche Potentiale in sich, von der genialen Unterhaltung bis zur vielfältigen Bildungschance. Diese Potentiale rückte der Offene Kanal Merseburg-Querfurt e.V. mit der Jugendtagung „Computerspiele“ für Mädchen und Jungen von 12 bis 18 Jahren in den Mittelpunkt.
Geboten wurden Vorträge zur Computerspielgeschichte und Retro-Gaming, den Phasen einer Computerspielentwicklung, dem Bereich der Indie Games und den Anforderungen und Möglichkeiten in Sachsen-Anhalt, in der Branche tätig zu werden. Außerdem luden acht Workshops zur kreativen Beschäftigung mit Computerspielen ein. Zur Auswahl standen Let's Plays oder Machinimas erstellen, browserbasierte Spieleprogrammierung mit „Snap“ und „Construct 2“, aus Computerspielen entnommene Sounds für eigene Klangcollagen nutzen (Gun-Shot-Music), Traumhäuser mit Minecraft errichten, ein Spielkonzept zu Papier bringen oder Lego Mindstorm-Roboter durch ein Parcours steuern.
Als Workshopleiter konnten Vortragende vom Haus der Computerspiele in Leipzig, die Initiative creative gaming aus Hamburg, dem Institut Spawnpoint aus Erfurt, der Computerspielschule Leipzig, des acagamics e. V. aus Magdeburg, von Rat King Entertainment aus Halle und der Silver Seed Games aus Madgeburg gewonnen werden. Referenzen, die für sich allein sprechen.

Die Jury würdigt mit einer lobenden Erwähnung dieses Engagement und hofft auf zahlreiche Nachahmer.
Das Projekt entstand in Kooperation mit der Hochschule Merseburg.

 

„Die Waehlerischen.de“
Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e. V. aus Magdeburg

Politik? Wählen gehen? Mitbestimmung? Studenten aus Magdeburg-Stendal haben sich bemüht, endlich Licht in den Dschungel der Politik zu bringen! Wer sind "die da oben" und welche Rechte habe ich als Bürger? Fragen, die das Projekt "Die Wählerischen" beantwortet. Aber nicht nur das. Es ging den Projektteilnehmern vor allem darum, den Fokus auf Alltagsthemen und -probleme zu legen. Es entstand über mehrere Semester eine Internetplattform, die Jugendliche und junge Erwachsene informieren will, Diskussionen ermöglicht, Kompetenzen vermittelt und mit verschiedenen Medien Wissen vermittelt. Experten sind greifbar, Politiker erreichbar. Dazu kommen Workshops und Weiterbildungsmöglichkeiten.

 

Laudatio zum Projekt:

Die Wählerischen im Porträt - Die Gesellschaft kritisch hinterfragen!

Die Wählerischen – das sind Journalismus- und Medienmanagement-Studenten der Hochschule Magdeburg-Stendal und viele junge oder jung gebliebene Leute mit großem Interesse an Gesellschaft und Politik. Aber was genau machen Die Wählerischen? Das studentische Projekt betreibt eine Diskussionsplattform im Internet. Dort können spannende Blogeinträge zu Themen wie „Fernbus vs. Deutsche Bahn“ oder „Urban Farming“ durchgelesen werden und es soll natürlich auch zum mitdiskutieren anregen.

Außerdem finden regelmäßig Hangouts – also Videochatkonferenzen – mit bekannten Gesichtern aus den Bereichen Politik und Gesellschaft statt. Über Facebook und Twitter können vor und während der Chats Fragen an die Gesprächspartner gestellt werden.

Die Wählerischen geben aber auch die Möglichkeit den „Mach-was-draus-Button“ zu drücken und so in Aktion zu treten. Die Debatte über Nutz- und Zierpflanzen im städtischen Raum beispielsweise bewegte die Studenten zu einer Urban Gardening Aktion. Die Wählerischen bieten so einen Einstieg und Überblick in laufende Debatten und fördern den Dialog bis hin zur möglichen Aktion. Vor allem bei jungen Menschen soll Interesse und ein Bewusstsein für gesellschaftspolitische Themen geweckt werden.

Aber worauf kann man aktuell gespannt sein? Den derzeitigen thematischen Schwerpunkt bildet die Asyl- und Flüchtlingspolitik. Im Blog gibt es dazu schon Gastbeiträge von beispielsweise den Grünen-Politikern Sören Herbst oder Jens Kolze von der CDU. Ein weiteres Thema ist der Datenschutz. Dazu hat sich der Landesbeauftragte für Datenschutz, in einem Hangout den Fragen gewidmet. Zudem arbeitete ein Fotoprojekt über die Bombardierung Magdeburgs auf die Präsentation auf die Meile der Demokratie im Januar 2015 hin. Aber das war’s noch lange nicht! Einfach reinschauen, mitmachen, und zu Wort melden!

Würdigung: Den Studierenden um Prof. Ilona Wuschig ist es mit diesem Projekt gelungen, der allzitierten Politikverdrossenheit junger Menschen mit einem attraktiven Angebot entgegenzutreten. Dabei setzen „Die Waehlerischen“ auf einen weitgefassten Politikbegriff, der nicht nur Wahlen, Parlamente und Abstimmungen abbildet, sondern auch lebensweltliche Themen und Alltagsprobleme. „Die Waehlerischen“ informieren passgenau und motivieren die User sich selbst in die Debatten einzumischen. Die Jury hat der Umfang und die Vielschichtigkeit bestehend aus „informieren, vermitteln und mitmachen“ zu tiefst beeindruckt.

 

„Werte.Zusammen.Leben.2013 – Vielfalt ist das neue Pink“
(Wartburg-Radio 96,5 Eisenach)

"Werte.Zusammen.Leben.2013 - Vielfalt ist das neue Pink" - Wartburg-Radio 96,5 Eisenach
Welche Rolle spielt Toleranz in unserer Gesellschaft? Was ist Menschen wichtig und wie wollen sie zusammen leben? In Eisenach haben Jugendliche zwei Hörspiele produziert, die sich genau mit diesen Themen auseinandersetzen. Gemeinsam mit dem Wartburg-Radio wurden im Jahr 2013 nach einführenden Workshops auch die technischen Grundlagen vermittelt, um die Themen für den Hörfunk umzusetzen. In "Wartburgcity 2.0 - Vielfalt ist das neue Pink" stellten Sie eine Idealversion dar; in "Neo-Germania - der Anfang vom Ende" produzierten sie ein Hörspiel über eine "Horrorversion" des zukünftigen Eisenachs. Höhepunkt war eine Radiosendung mit Live-Musik im Landestheater Eisenach um den 9. November. Dabei wurden Gäste und Zuhörer mit beiden Hörspielen konfrontiert und dazu befragt. Moderation, Interviews sowie die PR-Kampagne übernahmen die Jugendlichen ebenfalls selbst.

 

Laudatio zum Projekt:

Mit dem Thema Zukunft befinden sich die Jugendlichen ganz nah an der Lebenswelt ihrer Altersgruppe und greifen wichtige Fragestellungen ihrer Peer-Group auf.

In den Hörspielproduktionen haben die Heranwachsenden gestalterisches, journalistisches und medientechnisches Können bewiesen und die abwechslungsreichen, informativen und hörenswerten Hörspiele produziert.

Die große inhaltliche Stärke der Medienproduktionen liegt dabei in der Spiegelung der Gegenwart. Die futuristischen Szenarien lassen uns in ihrer Übertreibung und Absurdität ein Blick auf das Jetzt und Heute werfen, also auf die Zeit, in der die Wurzeln für die Zukunft liegen.

Durch den gekonnten Einsatz von Musik und Geräuschen und der ausdrucksstarken sprachlichen Leistung ist eine beeindruckende atmosphärische Dichte entstanden. Die inhaltliche und technische Umsetzung ist absolut bemerkenswert.

„Scripted Reality – Fake oder echt?“
Medienblau gGmbH

Medienethik steht hier im Vordergrund – was dürfen Medien? Wie weit das Fernsehen gehen darf und was eigentlich Scripted reality ist, soll Oberschullehrern in Leipzig vermittelt werden. Innerhalb des Projektes sollen die Lehrkräfte entsprechend geschult werden, um später ihre Schüler wiederum unterrichten zu können. Was schauen wir da eigentlich im Fernsehen und was hat das mit mir und meinem Leben überhaupt zu tun? Ziel ist es, über die bewusste Nutzung von Scripted Reality-Formaten nicht nur zu informieren, sondern sie kritisch zu hinterfragen und mit der eigenen Lebenswelt in Einklang zu bringen. Technisches Knowhow soll ebenso vermittelt werden, jedoch sollen vor allem Diskussionen im Vordergrund stehen, praktische Beispiele analysiert werden und dies in Gruppenarbeiten im Unterricht umgesetzt werden.

 

Laudatio zum Konzept

Alles wirkt echt! Alles ist erfunden! Scripted-Reality (oder zu deutsch Geschriebene Realität) heißt dieses Format, wo alles so aussieht, als wäre es echt, mit wackelnder Kamera und abgesetzten Interviews. Nur: Alle Personen sind Schauspieler, die Geschichten erfunden, sie folgen einem Drehbuch. Die Mischung aus realer Darstellung und perfekter Dramaturgie beschert den Fernsehsendern hohe Quoten im Programm.

Die Macher von Scripted-Reality behaupten, der Zuschauer erkenne, was echt ist und was nicht. Die Kritiker halten solche Formate für problematisch. An dieser Stelle setzt die Projektidee „Scripted Reality – Fake oder echt?“ der Medienblau gGmbH an.

Schüller der Klassenstufe 6 werden im Projekt angeregt, verschiedene Scripted-Reality Formate hinsichtlich ihrer spezifischen Merkmale, wie beispielsweise der oftmals verschleierten Fiktionalität kritisch zu hinterfragen. Die Schüler erarbeiten typische Stilelemente, bewerten diese anhand verschiedener Kriterien wie Produktionsbedingungen und Wirkung auf die Zuschauer und gestalten schließlich selbst ein eigenes Video. Das Schulprojekt wird durch eine Lehrerfortbildung flankiert, die die Multiplikatoren dazu in die Lage versetzt, das Projekt selbstständig in ihrer Einrichtung durchzuführen.

Die Jury überzeugte der modulare Aufbau bestehend aus Lehrerfortbildung und Schulprojekt. Das Thema Scripted-Reality stammt direkt aus der Lebenswirklichkeit der Kinder- und Jugendlichen und wurde hinsichtlich des Methodeneinsatzes sowie des Zeitrahmens sinnvoll zusammengestellt.