Preisträger 2019

Der Medienkompetenzpreis Mitteldeutschland wurde 2019 zum dritten Mal vergeben. Die Preisverleihung fand am 22. Juni 2019 in Leipzig statt. Jede Kategorie ist mit einem Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro dotiert. In diesem Jahr lag die rotierende Federführung bei der SLM.

Die Preisträger 2019 nach Kategorien:

Wir gestalten einen Film zum ABC der Tiere"

Schülerinnen und Schüler der Förderschule „St. Franziskus”, unterstützt durch die SAEK Dresden

Verleihung des Medienkompetenzpreises 2019 - Gewinner in der Kategorie 1, MDR, Leipzig, 22.06.2019 © MDR/punctum/Stefan Hoyer

Verleihung des Medienkompetenzpreises 2019 – Gewinner in der Kategorie 1, MDR, Leipzig, 22.06.2019 Bild: © MDR/punctum/Stefan Hoyer

Zwölf achtjährige Schüler_innen der Dresdner Förderschule "Sankt Franziskus" erlernen und bilden unter geschulter Anleitung das ABC nach, in dem zu jedem Buchstaben ein entsprechendes Tier gewählt wird, das von den Schüler_innen auf kreative und individuelle Weise durch kurze Filmclips, Zeichnungen, Lieder, Plakate, Beschreibungen oder Geräusche dargestellt wird.

Dabei wurde den Kindern der Umgang mit Film- und Fotomedien und erste Ansätze für deren Bearbeitung nahe gebracht und zugleich die Stärken der Kinder hervorgehoben, deren Lernfreude gesteigert, Fantasie geweckt und der Zusammenhalt untereinander gestärkt. Idee und Projektleitung lagen bei Belkis Föder und Magrit Bennert. Mehr zum Projekt des SAEK Dresden

Laudatio zum Projekt:

Es gibt wieder Wölfe in Mitteldeutschland, allerdings ganz harmlose – sogar im Gegenteil: sehr Lehrreiche! Genauso wie Bienen, Chamäleons, Quallen und Zebras! Das Projekt ABC der Tiere ist ein tolles Beispiel dafür, wie Inhalte jeder Art – auch so klassische wie das Alphabet – viel mehr Spaß machen, wenn der Kreativität auch medial freien Lauf gelassen wird.

Wir alle kennen die Bilder neben den Buchstaben, die eine Giraffe oder Maus zeigen. Die Kinder der Unterstufe der Förderschule Sankt Franziskus stellten aber diese selbst her. Sie wurden selbst zu kreativen Produzenten mit allen Sinnen. Wie die großen Filmemacher begaben sie sich auf Tierdokumentations-Expedition, loteten die Möglichkeiten einer Greenbox aus und gestalteten zahlreiche eigene Bühnen und Choreographien.

Die Achtjährigen probierten sich selbst an Ton- und Videoschnitt; sie arbeiteten an ihren Texten, an Musik und Geräuschen; in der Detailliebe und Schönheit der einzelnen Buchstaben-Kunstwerke spiegelt sich ihre Schaffensfreude. Dass dabei auch noch persönliche Stärken gestärkt und Schwächen überwunden wurden, zeigt, wie viel Potential aktive Medienarbeit hat. Damit ist das Projekt ein Vorbild, ein tolles Best-Practice-Beispiel für die medienpädagogische Praxis. Herzlichen Glückwunsch an die Förderschule Sankt Franziskus mit ihrem Projekt ABC der Tiere!

„Post an Alex - Willkommen in Humboldts Welt"
Thüringer Medienbildungszentrum für Schülerinnen und Schüler aus Thüringen, Unterstützt durch Thüringer Bürgerradios und der (Kinder-)Universität Erfurt

Verleihung des Medienkompetenzpreises 2019 - Gewinner in der Kategorie 2, MDR, Leipzig, 22.06.2019 © MDR/punctum/Stefan Hoyer

Verleihung des Medienkompetenzpreises 2019 – Gewinner in der Kategorie 2, MDR, Leipzig, 22.06.2019 Bild: © MDR/punctum/Stefan Hoyer

Anlässlich des 250. Geburtstags Alexander von Humboldts  initiierte das Thüringer Medienbildungszentrum der TLM in Erfurt gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und (Medien)Pädagog_innen aus ganz Thüringen eine Projektplattform (post-an-alex.de), die sich mit den Forschungsthemen Humboldts befasst.

Der Startschuss fiel am 14. September 2018 mit einer Fortbildungsveranstaltung für Pädagog_innen im Naturkundemuseum Erfurt. Hier wurde das Projekt vorgestellt und in verschiedenen Workshops gab es Anregungen für die medienpraktische Projektarbeit, mit dem Fokus auf Methoden und Techniken, die von Schulen und Freizeiteinrichtungen selbständig umgesetzt werden können.

Danach begann die eigentliche Projektphase. Die verschiedenen Projektgruppen erarbeiteten allein oder mit medienpädagogischer Unterstützung Audios und Videos für die Projektplattform.

Zur abschließenden Kinder-Medien-Uni im September 2019 feiern alle am Projekt beteiligten „Alex‘" 250. Geburtstag“ mit Workshops, Vorträgen und Aktionen – konzipiert und angeleitet von Studierenden der Universität Erfurt.

Laudatio zum Projekt:

Ein ziemlich toller Typ hat mal gesagt: „Das Wissen der Welt sollte allen Menschen gleichermaßen zugänglich sein.“ Er selbst hat uns dann Wunderbares und Unbekanntes „zwischen Himmel und Erde“ gezeigt. Aber weil es ja dauernd wieder Neues zu entdecken gibt in der Umwelt, in der Geschichte, in anderen Kulturen, grade auch für junge Menschen, haben sich ein paar kluge Medienpädagog_innen ein kluges Projekt ausgedacht.

Zunächst haben sie Pädagoginnen und Pädagogen in einer Fortbildung gezeigt, wie man sein Wissen und seine Entdeckungen in Videos oder Hörclips darstellen kann. Dazu haben sie eine super Webseite aufgebaut mit Infos und Tipps. Dann haben sie im ganzen Bundesland Kinder und Jugendliche eingeladen, selbst Neues in der Welt zu entdecken oder über ihre eigene Welt, ihre Interessen und Erkundungen zu berichten, mit Interviews, Reportagen, Erklär-Videos usw.

Es sind viele schöne, originelle, spannende, lustige Beiträge entstanden und wir alle können uns auf der Webseite dieses Wissen aneignen. Die Jury ist begeistert. Auch, weil es demnächst noch ein großes Geburtstagsfest geben wird mit allen, die mitgemacht haben. Geburtstag hat nämlich der ziemlich tolle Typ, an den die jungen Leute ihre digitale Post geschickt haben: Alexander von Humboldt wird 250! Die herausragende Idee „Post an Alex“ des Thüringer Medienbildungszentrums in Erfurt erhält den 1. Preis in der Kategorie „Projekte mit Jugendlichen“.

"Ich höre was, was Du nicht siehst" – Ein Rundgang mit den Ohren durch Leipzig
Medienclub Leipziger Löwen, Unterstützt durch den GAM e.V., Leipzig und das Seniorenkolleg der Universität Leipzig

Verleihung des Medienkompetenzpreises 2019 – Gewinner in der Kategorie 3, MDR, Leipzig, 22.06.2019 Bild: © MDR/punctum/Stefan Hoyer

Bei diesem über einen längeren Zeitraum währenden, generations-übergreifenden Projekt kamen meist studierende jüngere Menschen mit teilweise noch berufstätigen, aber überwiegend bereits im Ruhestand befindlichen älteren Menschen zusammen, um für sie markante Punkte in Leipzig aufzusuchen und die damit verbundenen Erinnerungen in kurzen Hörgeschichten festzuhalten, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.

Aus dem personellen Wechselspiel von zumeist neugieriger Nachfrage und gelebtem Rückblick entstanden rund 40 Beiträge, die – ergänzt um zusätzlich recherchierte Informationen - mittels einer App zu einem audiophilen Stadtrundgang verknüpft werden. Das selbstständige Erlernen, wie man eine App konzipiert und umsetzt, und die verbundene Themenbereiche wie etwa Datenschutz bildeten den Schwerpunkt des Projektes.

Die Teilnehmenden stammen im Wesentlichen aus dem Medienclub Leipziger Löwen, die unter www.leipziger-loewen.org eine Webseite betreiben, auf der auch über das Projekt berichtet wird. Der Initiator ist der GAM e.V., die Projektleitung lag zuletzt in den Händen von Rebekka Haubold.

Laudatio zum Projekt:

Auf Augenhöhe und im Dialog haben sich die Preisträger_innen in einem intensiven Prozess mit der eigenen Geschichte ihres Lebensraumes auseinandergesetzt. Es entstanden Texte und Fotos zu verschiedenen Orten ihrer Stadt. An dem intergenerationellen Projekt waren Menschen von 22 bis 84 Jahren beteiligt.

Jede und jeder konnte sich, unabhängig von medialen Vorerfahrungen und medialen Ressourcen einbringen. Auf diese Weise entstand ein multimedialer alternativer Stadtrundgang. Er macht Orte der Stadt subjektiv erfahrbar, bietet die Chance einzutauchen in die Lebenswelt der Erzählerinnen und Erzähler und gibt Anreize sich selbst dazu in Beziehung zu setzen. Im Mittelpunkt stehen die Hörgeschichten.

Umgesetzt wurde das Projekt technisch innovativ als App für mobile Endgeräte. Den Preisträgerinnen und Preisträgern ist es gelungen, den intergenerationellen Zusammenhalt zu fördern, die Medienkompetenz zu stärken und die Auseinandersetzung mit der eigenen Stadt im Sinne einer Oral History anzuregen. Potential bietet das Projekt für die Erweiterung des Netzwerkes der momentan daran Beteiligten auf eine noch größere Gruppe, die sich an der Erweiterung und Ausgestaltung beteiligen möchte. Der 1. Platz in der Kategorie „Projekte mit Erwachsenen“ geht an den Medienclub Leipziger Löwen für den Beitrag „Ich höre was, was du nicht siehst“.

Kurzspielfilm "Ein Traum von Glück“ – gescheiterte Suche nach Freundschaft (Jena, Thüringen)
Konzipiert und umgesetzt von Schülern der Jenaplan-Schule Jena

Verleihung des Medienkompetenzpreises 2019 - Gewinner in der Kategorie 5, MDR, Leipzig, 22.06.2019, © MDR/punctum/Stefan Hoyer

Verleihung des Medienkompetenzpreises 2019 – Gewinner in der Kategorie 5, MDR, Leipzig, 22.06.2019, Bild: © MDR/punctum/Stefan Hoyer

In einem intensiven kreativen und mit hohem Lernzuwachs für alle Beteiligten verbundenen schöpferischen Prozess entstand der Kurzspielfilm "Ein Traum von Glück". Die Idee zum Film wurde aus biografischem Material und den Erlebnisberichten von Jugendlichen im Alter der jungen Filmemacher gespeist. Der Protagonist des Films gerät aus dem Wunsch nach stärkeren Kontakt zu einem Mädchen aus seiner Klasse, in das er sich verliebt, in eine Gruppendynamik, der er sich kaum noch entziehen kann und für die der Film bewusst keine Auflösung bereithält. Der Film verhandelt für Jugendliche relevante Themen wie Wunsch nach Zugehörigkeit, Einsamkeit, Sprachlosigkeit und die Suche nach Glück oder der Versuch der kurzen rauschhaften Erfahrung desselben. Das Aufwachen danach, das Scheitern ... Die Projektleitung übernahm die betreuende Lehrerin Susanne Blechschmidt.

Das Gewinner-Projekt der Kategorie 4 wurde durch ein öffentliches Voting ermittelt.

„DIA – Die Influencer Academy" – Ein medienpädagogisches Drama Game
Thüringer Medienbildungszentrum

Verleihung des Medienkompetenzpreises 2019 - Gewinner in der Kategorie 5, MDR, Leipzig, 22.06.2019, © MDR/punctum/Stefan Hoyer

Verleihung des Medienkompetenzpreises 2019 – Gewinner in der Kategorie 5, MDR, Leipzig, 22.06.2019 Bild: © MDR/punctum/Stefan Hoyer

Als Drama Game bezeichnet man ein Rollenspiel-Szenario mit einer Bildungsperspektive.

Die Teilnehmenden durchleben in ihrer Spielrolle als angehende lnfluencer typische Situationen eines Content-Creators und erfahren, was es heißt, medial „always on“ sein zu müssen. Sie erhalten dadurch eine Vorstellung von dem System Influencer. Dies beinhaltet die Vermittlung von Wissen und Erfahrungen über die werbestrategischen und marktwirtschaftlichen Hintergründe, Motivationen von lnfluencern, mediale Darstellungsstrategien und Arbeitsweisen von lnfluencern. Die Teilnehmer erhalten einen erlebnisorientierten Einstieg, in dem sie als Protagonist_innen unmittelbar in das System einsteigen, Aufgaben lösen müssen und in Lebens- und Arbeitsweltsituationen von lnfluencern bestehen müssen. Am Ende stehen die Reflexion der Erfahrungen und die Justierung des Blickes auf das Dasein von lnfluencern.

Einreicher ist das Thüringer Medienbildungszentrum der TLM. Projektleitung unterlag Mirko Pohl.

Laudatio zur Idee

Sie heißen Julienco, Dagi Bee oder Simon Desue, haben eine Fangemeinde wie Popstars und was sie sagen, essen und tragen wird begeistert aufgenommen und nachgeahmt. Wie cool muss es sein, einer von diesen social-media-influencern zu sein!?

Oder vielleicht doch nicht? Und was heißt es eigentlich, always-on präsent zu sein? Dies sollen junge Menschen bei der Umsetzung der Idee, die hier prämiert wird, auf spielerische und direkte Art in Erfahrung bringen und ausprobieren. In kleinen Gruppen sollen sie beispielsweise zeigen, wie sie wichtige Kontakte knüpfen, welches Bild sie von sich vermitteln und wie sie medial im Gespräch bleiben wollen. Am Ende des Projekttages dürfte vielen klarer vor Augen stehen, was es mit sich bringt, dem Glanz von Einfluss und Geld folgen zu wollen.

Ein spannender Ansatz, der ein aktuelles Thema eng an der Welt der Jugendlichen ausrichtet und durch einen gelungenen Mix aus Inszenierung und Interaktion punktet. Wenn die Auswertung noch etwas erweitert und die technische Ausstattung ein bisschen zurückgenommen wird, verspricht die Idee der Influencer-Academy ein rundum ansprechendes und nachgefragtes Projekt zu werden. Die Jury war jedenfalls sehr angetan, und daher erhält das Thüringer Medienbildungszentrum mit seinem Ideengeber Mirko Pohl für das Vorhaben "DIA – Die Influener Academy – ein medienpädagogisches Drama Game" den Preis in der Kategorie "Beste Idee für die Realisierung eines Mitteldeutschen Medienkompetenzprojektes".